Zur Anmeldung Open 2019

Zum Kommentieren von Nachrichtenbeiträgen klicken Sie bitte auf deren Überschrift.

Deutsche Jugendeinzelmeisterschaften 2018

Zwei Untergrombacher auf den Deutschen Meisterschaften

Vom 19 bis 26. Mai 2018 fanden in Willingen die Deutschen Meisterschaften im Jugendbereich statt. Willingen ist nun schon seit einiger Zeit Austragungsort dieser Großveranstaltung und liegt idyllisch im Sauerland gelegen. Willingen selbst ist ein kleiner Ort mit etwa 6.000 Einwohnern und lebt ganz klar vom Tourismus, im Winter ist hier viel Skisport angesagt und im Sommer sind die Wanderer und Mountainbiker (und auch vereinzelte Läufer) unterwegs. Ja, und in dieser einen speziellen Woche bevölkern auch über tausend Schachspieler den Ort, über 600 Spieler und jede Menge Familienmitglieder, Betreuer und Trainer sind vor Ort. Man trifft auch bekannte Gesichter wie GM Artur Jussupow, der die ganze Woche in Willingen verweilte.

Idyllisch im Sauerland gelegen: Willingen – Austragungsort der Deutschen Jugendmeisterschaften 2018

Auch zwei Untergrombacher waren hier am Start: Luca Toth hatte sich für die DEM in der Altersklasse U10 qualifiziert und sein Bruder Marc Toth startete in der Offenen Juniorenmeisterschaft (B-Turnier). Luca würde 11 Runden zu spielen haben, ein ganz schön knackiges Programm. Marc dagegen hatte „nur“ neun Runden zu bewältigen. Ziel war für beide, den nächsten Schritt zu machen.

Luca begann in der U10 mit einer Niederlage und einem Sieg gegen höher gewertete Gegner und in der dritten Runde kam es dann zum Duell mit dem ebenfalls für den BSV startenden Tobias Kiefhaber, hier übersah Luca leider eine Gewinnabwicklung und musste sich geschlagen geben. In der vierten Runde landete Luca im Turmendspiel und konnte Remis verbuchen. Alle vier Partien gegen 1300er und 1400er und Luca wollte mit seinen 1218 doch so gerne mal „gegen einen Schwächeren“ spielen.

Luca in Runde 4 mit Remis gegen DWZ-überlegenen Gegner.

Sein Bruder Marc hatte es in der offenen Juniorenmeisterschaft (B-Turnier) nicht leicht: In den ersten drei Runden bekam er einen 1600er nach dem anderen und jede Partie ging knapp verloren! Mit einer „großen Rochade“ ins Turnier starten, das würde so manchen zweifeln lassen. Nicht so Marc, der weiter an sich glaubte und in der vierten Runde ließ er den Knoten endlich platzen. Mit Schwarz kam er gut aus der Eröffnung und nachdem sein Gegner das überambitionierte Da4 spielte, kam es zur folgenden Stellung:


Ziming Guo (1392) – Toth Marc (1434)

Marc fand hier den starken Zug 15. … Sf4! und nachdem sich sein Gegner zu 16. Kh2 hinreißen ließ, beendete er die Partie kurzerhand mit 16. … Lxh3! 17. Tg1 (17. gxh3 Dxh3+ 18. Kg1 Dg2 matt) Lxg2 und Weiß gab nach wenigen Zügen auf.

Mit dieser Partie hatte Marc ins Turnier gefunden!


Es kann losgehen...

Das Turnier beeindruckt eigentlich auf alle Arten: In der Größe, aber auch in der Professionalität der Organisation und dem Begleitprogramm. Der Spielsaal ist hervorragend, geräumig, hell, modern und genügt allen Ansprüchen. Die Spieler bekommen kostenlos Wasser. Nach 15 Minuten beginnt die „kiebitzfreie Zeit“, wenn alle Eltern und Trainer für 30 Minuten den Saal verlassen müssen. Draußen wird analysiert, zumeist von Titelträgern (auch GM Jussupov gab sich mehrfach die Ehre), die Analysen werden live auf YoutTube gesendet. In allen Turnieren spielen die vorderen Bretter mit DGT-Ausrüstung, die Partien werden mit 15 Minuten Zeitversatz auf der Webseite gezeigt. Rund um das Turnier fanden allerlei Vorträge statt, so dass man sich weiterbilden konnte und auch schauen konnte, welche Ideen andere entwickelt haben, um das Kinder- und Jugendschach zu fördern und weiterzuentwickeln. Für die Kinder gab es jeden Tag ein Sport- und Freizeitangebot oder es waren Ausflüge angesagt. Morgens zum Frühstück lag eine Turnierzeitung bereit, in der man sich über die Ereignisse des vergangenen Tages informieren konnte.

Das ist schon ganz stark, was die Deutsche Schachjugend zusammen mit dem Landesverbänden hier in Willingen auf die Beine stellt!

Blick in den Turniersaal

Weiter ging es in Runde 5 und 6 für Luca erneut mit DWZ-stärkeren Gegnern. Die Partie in Runde 5  war auf Augenhöhe, ging aber knapp verloren, in Runde 6 war die Niederlage dann deutlich. Luca hat jede Runde auf einen „schwachen“ Gegner gehofft, bis er dann irgendwann einsehen musste, dass es auf den nationalen Meisterschaften eben keine schwachen Gegner mehr gibt. In der siebten und achten Runde gab es dann DWZ-schwächere Gegner, die aber auch nicht schlechter als Luca gespielt haben. Beide Gegner hatten eine Gewinnstellung auf dem Brett und boten Remis – weil Luca ja mehr DWZ hatte. Dieser nahm dankend an…

Marc hatte in der gleichen Zeit eine Runde weniger zu spielen. In Runde vier und fünf holte er solide Remis gegen DWZ-stärkere Gegner. In der siebten Runde spielte er sehr gut, setzte seinen Gegner unter Druck und profitierte von dessen Aussetzer. Mit 3 aus 7 war Marc damit wieder voll im Plan.

Im badischen Duell mit Rijad Ljuca konnte Marc voll punkten.

Was generell auffällt, wenn man zum ersten Mal bei den nationalen Meisterschaften dabei ist, ist der hohe Grad der Professionalisierung in der Vorbereitung. Von der U10 bis in die höchsten Altersklassen werden alle Spieler von ihren Trainern punktgenau auf den Gegner vorbereitet. Das bedeutet auch, dass man sich Lücken im eigenen Repertoire nicht erlauben kann. Andererseits, in der U10 traf man auch auf Spieler, die zwar 20 Züge lang auswendig gelernte Theorievarianten herunterbeten konnten, als es dann aber ans eigenständige Denken ging, plötzlich ganz schwache Züge aufs Brett gebracht hatten.

Jeder Verband hat seine eigenen Trainer nach Willingen mitgebracht, eine tolle Sache für die Partieanalyse und Gegnervorbereitung. Luca wurde von dem Sasbacher Jörg Hanisch hervorragend betreut, mindestens ein Sieg konnte durch kluge Vorbereitung erzielt werden und insgesamt ist Jörg Hanisch sehr gut in der Lage, Schachwissen zu vermitteln. Dazu kam jeden Abend noch vertiefte Partieanalyse und optimierte Eröffnungsvorbereitung mit Lucas regulären Trainer GM Davor Rogic.

Unser Dank gilt beiden Trainern für ihre hervorragende Arbeit.


Partieanalyse und Gegnervorbereitung am Brett mit Jörg Hanisch (Sasbach)


Abends dann noch einmal Analyse und Vorbereitung mit GM Rogic (Untergrombach)

In Runde 9 hatte Luca den Letzten der Setzliste, aber oh nein – auch dieser konnte ordentlich Schach spielen! In Zeitnot bei erstmals nicht ganz ausgekämpfter Stellung gab Luca lieber Remis nach dem Motto „Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach“. Und in den letzten beiden Runden ließ es Luca nochmal so richtig krachen und holte zwei Siege und kam damit zu einem für ihn positiven Turnierergebnis und Turniererlebnis.

Die Ersatzdame für Luca hatte der Gegner freundlicherweise gleich ans Brett gebracht – ob sie auch drauf passt? Offensichtlich nicht, denn Luca hat sich am Ende einen Turm geholt, das hat auch gereicht in diesem absolut klaren Sieg für den Untergrombacher

Marc hatte nach seinem Sieg in der siebten Runde mächtig Selbstvertrauen getankt, ging bestens vorbereitet durch GM Davor Rogic in die achte Runde gegen eine 140 Punkte stärkere Spielerin, spielte absolut souverän und planvoll und konnte im Endspiel einen Fehler ausnutzen und zu seinem insgesamt dritten Sieg kommen. In der letzten Runde bekam er noch einmal die Chance, sich gegen 1600er zu beweisen, aber auch hier ging die Partie nach  ganz langem Kampf nur knapp verloren.

 Bei Marc reicht es für die 1600er noch nicht ganz, aber gegen 1500er gewinnt er regelmäßig und hat mit seiner Performance von 1523 auch eine schöne neue DWZ von 1486 erspielt. Marc hat definitiv den nächsten Schritt in der Entwicklung gemacht und freut sich auf den nicht mehr allzu fernen Tag, an dem er der stärkste Schachspieler in der Familie sein wird. Chapeau Marc für dieses starke Turnier!

Luca hat mit 5 aus 11 die Erwartungen seines Heimtrainers Stefan Doll erfüllt. In der Tabelle landete auf Rang 42 (Setzliste 48) von 60.  Mit seiner Performance von 1245 war ein kleiner DWZ-Sprung auf 1237 möglich, nicht ganz der erhoffte Sprung, aber ein gutes Ergebnis. Viel wichtiger wird die gesammelte Erfahrung, Turnierpraxis und das neu erworbene Eröffnungswissen. Damit hat Luca sein Rüstzeug für kommende Aufgaben, im nun anstehenden Joss-Fritz-Jugendopen kann er gleich mal zeigen, was er gelernt hat.


Willingen war ein tolles Erlebnis, jetzt gilt es, den Schwung aus diesem Großereignis über die Sommerpause in die kommende Schachsaison mitzunehmen.

 

von Ralf Toth

Zur Newsübersicht

Einen Kommentar schreiben