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Oberliga: Untergrombach verlässt die Abstiegsränge


Zuversichtliche Untergrombacher bei Beginn des Kampfes gegen Hockenheim II

Nach dem Auswärtssieg gegen Baden-Baden III musste der SC Untergrombach erneut auswärts antreten, diesmal bei der Bundesligareserve des SV Hockenheim. Bereits am Samstag offenbarte der Blick in den Bundesliga-Ergebnisdienst gute Neuigkeiten für Untergrombach: Alle drei Hockenheimer Großmeister (Baramidze, Wagner, Rau) saßen in Hamburg an den Brettern der Bundesligamannschaft! Somit war klar, dass der SCU ebenbürtig antreten und seine Chance bekommen würde.


Gespielt wurde in der Hockenheimer Zehntscheuer, ein von außen wie innen akttraktives Gebäude.

In Hockenheim angekommen rechnete man mit einer Wiederholung der Aufstellung vom dritten Spieltag und war entsprechend vorbereitet. Hockenheim kam gemäß den Erwartungen mit einer Ausnahme. Schon kurz nach Spielbeginn wurde offensichtlich, dass der Gastgeber nicht mit dieser Untergrombacher Aufstellung gerechnet hatte, schon bald waren einige Hockenheimer Spieler "aus dem Buch", am offensichtlichsten wurde dies an Brett 8, wo der Hockenheimer nach 1. e4 c6 2. d4 d5 erst einmal zehn Minuten nachdachte, wie er dieses Caro-Kann spielen würde.


Das erste Spielergebnis war ein Remis zwischen IM Nekrasov (Hockenheim) und Dr. Sieglen (Untergrombach mit Schwarz)

Bestens präpariert waren jedoch IM Nekrasov und FM Dr. Sieglen am vierten Brett, die eine längere Theorievariante herunterblitzen und nach einer Neuerung von Dr. Sieglen versank Nekrasov in eine dreißigminütige Denkpause, nach seinem Zug (Dd2) dachte auch Sieglen entsprechend lang nach. Noch einige Züge wurden gespielt, danach waren sich beide Spieler einig, dass kein Vorteil für Weiß mehr auf dem Brett war und gaben Remis.


Wegen der scharfen Eröffnungsvariante kam das Remis unerwartet: GM Rogic (Weiß) entfiel die gespielte Nebenvariante

Am Spitzenbrett hatte GM Davor Rogic eine "alte jugoslawische Nebenvariante" in der sizilianischen Verteidigung angekündigt. So ähnlich kam diese auch aufs Brett, die Abweichung war nach 25 Jahren jedoch nicht mehr präzise genug im Hirn des Großmeisters präsent, so dass man sich in extrem scharfer Stellung überraschend auf ein Unentschieden einigte, bevor Schlimmeres passierte.


Siegte im Endspiel mit Roß gegen Läufer: FM Bernd Schneider (Weiß)

FM Bernd Schneider hatte mit Läuferspiel eröffnent, allerdings konnte er keinen Vorteil aus der Eröffnung ziehen und wickelte in ein Endspiel mit Turm und Springerpaar gegen Turm und Läuferpaar ab. Schwarz hatte vielleicht die leicht schlechtere Bauernstruktur. Nachdem Turm und eine Leichtfigur abgetauscht waren, unterlief Schwarz ein Fehler, den Schneider sofort ausnutzte. Der Springer dominierte nun den armen schwarzen Läufer und Weiß konnte einen Freibauern zum Sieg ausnutzen - stark gespielt von Schneider, der seinen ersten Sieg in der Saison holt und sich klar im Aufwind befindet.


Löste eine schwere Aufgabe souverän und erfolgreich: FM Jochen Kountz

FM Jochen Kountz war in dreifacher Hinsicht motiviert: Er spielte nahe seinem Heimatort, mit direktem Blick auf seine alte Schule. Vor der Saison hatte Kountz ein Angebot der Hoffenheimer ausgeschlagen, um weiter in Untergrombach zu spielen. Und heute bekam er mal wieder einen starken Jugendspieler (Dobrikov). Jedoch löste Kountz die Aufgabe bravourös - im Mittelspiel hatte er einfach präziser gerechnet als der Hockenheimer und bekam einen tödlichen Freibauern, den Kountz geschickt einsetzte. 1:3 aus Untergrombacher Sicht! Nun war klar, hier würde etwas gehen. 


Remis war OK für FM Hans Wiechert an Brett 8.

Hans Wiechert am achten Brett kam ganz früh in ein für ihn etwas günstigeres Endspiel, das er dann lange bearbeitete. Am Ende war aber nichts herauszuholen und man einigte sich auf die Punkteteilung, angesichts der Stellung an den anderen Brettern eine kluge Entscheidung von Wiechert.


Der Mann des Tages spielte an Brett 2: IM Borya Ider (Schwarz) steuerte den Siegpunkt bei.

Vielleicht die beste Partie des Tages gelang dem Franzosen IM Borya Ider am zweiten Brett. Mit Schwarz packte er eine Nebenvariante in der französischen Verteidgigung aus (1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sd2 Le7) und parierte alle weißen Drohungen problemlos, kam zu einem frühen e5-Vorstoß und hatte somit das Problem mit dem weißfeldrigen Läufer schnell gelöst. Eine kleine gegnerische Unachtsamkeit (a3) genügte dem Franzosen, er schaffte sich einen mächtigen Freibauern im Zentrum, blitzte die letzten Züge trotz ausreichendem Zeitpolster locker herunter, da er alle Varianten bereits vorher berechnet hatte und gewann mit einer ganz starken Vorstellung und sicherte dem SC Untergrombach den Auswärtssieg.


Der erfolgreichste Spieler der Mannschaft punktete erneut voll: FM Thomas Raupp hat erheblichen Anteil am Untergrombacher Aufschwung.

Das gewohnte Bild bei Thomas Raupp am Brett: Sein Spiel ist gekennzeichnet von hohem Zeitverbrauch - offenbar genießt er die Zeit am Brett und findet aber auch immer die starken Züge. Heute war sein Gegner ebenfalls bedächtig vorgegangen und nach der Zeitkontrolle fanden sich beide mit einem vollen Brett, aber deutlich besserer Stellung für Raupp wieder, der im Zentrum die Kontrolle hatte und auch aktivere Figuren aufwies. Gekonnt veredelte Raupp den Stellungsvorteil zum Sieg. Mit aktuell 3,5 aus 5 ist Raupp der erfolgreichste Spieler der Mannschaft und wenn es mit dem Klassenerhalt etwas werden soll, dann wird Thomas Raupp einen ganz erheblichen Beitrag dazu geleistet haben.


Hatte einen harten Arbeitstag: Kapitän IM Heinz Fuchs mit Weiß.

Eigentlich hätte Mannschaftsführer Heinz Fuchs allen Grund gehabt, den Verlauf an den anderen Brettern zu genießen - alleine, dazu hatte er überhaupt keine Zeit. Mit Weiß kämpfte er gegen die königsindische Verteidigung und sein Gegner stellte ihm permanent vor derartige Probleme, dass Fuchs fast ausschließlich am Brett saß und Varianten berechnen musste. In der üblichen Zeitnot fiel ihm im vierzigsten Zug mit zwei Sekunden auf der Uhr auch noch die gezogene Figur um, er musste reflexartig neu setzen - es hat gereicht, aber der Herzschlag der Umstehenden (und wahrscheinlich sein eigener) dürfte um einiges nach oben gegangen sein. Nach dem Sieg von Thomas Raupp stellten auch beide Spieler ihre Gewinnbemühungen ein und gaben sich mit dem Remis zufrieden.

Am Ende des Tages steht ein hochverdienter 2:6-Auswärtssieg zu Buche. Wie Phönix aus der Asche kommt der SC Untergrombach wieder zurück und mit zwei Siegen in Folge verlässt man die Abstiegsränge. In der Tabelle belegt der SCU nun sogar den sechsten Rang, weil Dreiländereck und Buchen beide verloren. Am Tabellenende gegen Dreisamtal allmählich die Optionen aus. Obwohl die Mannschaft eigentlich nicht wirklich schlechter ist, hat diese Truppe nur einen Punkt eingesammelt und steht vor dem Abstieg aus der Oberliga.

Für Untergrombach geht es bereits in drei Wochen weiter mit dem Abstiegskampf, am 24. Februar ist der SC BG Buchen zu Gast, ein alter Rivale aus gemeinsamen Zweitligazeiten. Erwartet wird die bestmögliche Buchener Aufstellung, aber auch Untergrombach wird gewappnet sein und mit zwei Siegen im Rücken will man den Aufwind nutzen und den Fans einen Heimsieg bescheren.

Sechster Spieltag: Einzelergebnisse

Brett

SV Hockenheim II

ELO  

SC Untergrombach

ELO Ergebnis
1 IM Rau, Hannes 2457 - GM Rogic, Davor 2506

½

2 IM Boguslawski, Oleg 2392 - IM Ider, Borya 2505

0-1

3 IM Bodrozic, Tomislav 2370 - IM Fuchs, Heinz 2251

½

4 IM Nekrasov, Mihail 2295 - FM Dr. Sieglen, Joachim 2231

½

5 Wittmann, Ralf 2225 - FM Schneider, Bernd 2213

0-1

6 Dobrikov, Marco 2252 - FM Kountz, Jochen 2320

0-1

7 Günthner, Oliver 2187 - FM Raupp, Thomas 2250

0-1

8 Hierholz, Bernd 2128 - FM Wiechert, Hans 2167

½

von Ralf Toth

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Kommentar von Tomislav |

Ihr schreibt immer tolle Berichte! Lob von meiner Seite aus. :)

Kleine Anmerkung: Bis auf Ider war alles offensichtlich, also keine sehr große Überraschung. ;)