1. Mannschaft Aktueller Spieltag

Oberliga Baden - Saison 2018/2019| Oberliga 2018/2019 im BSV-Ergebnisdienst

Absteiger aus der 2. Schachbundesliga: SC Untergrombach
Aufsteiger aus den Verbandsligen: SF Sasbach, SC Viernheim II

Mannschaftsführer: IM Heinz Fuchs

Neunter Spieltag: 07.04.2019

SC Untergrombach (A)

2264

-

SGEM Dreisamtal

2235

5½ - 2½

SV Hockenheim II 2299 - SF Sasbach (N) 2190

4½ - 3½

BG Buchen 2237 - SC Dreiländereck 2235

4½ - 3½

OSG Baden-Baden III 2219 - SC Brombach 2267

3½ - 4½

SV Walldorf 2318 - SC Viernheim II (N) 2328

4 - 4

Neunter Spieltag: Einzelergebnisse

Brett

SC Untergrombach

ELO  

SGEM Dreisamtal

ELO Ergebnis
1 GM Rogic, Davor 2503 - IM Filipovic, Branko 2358

½

2 IM Fuchs, Heinz 2250 - IM Milosevic, Goran 2282

½

3 FM Dr. Sieglen, Joachim 2232 - IM Kaenel, Hansjuerg 2290

0-1

4 FM Schneider, Bernd 2231 - FM Schwing, Hans-Elmar 2310

1-0

5 FM Kountz, Jochen 2338 - Nabavi, Parwis 2192

1-0

6 Prestel, Oliver 2116 - FM Eppinger, Georg 2206

½

7 FM Raupp, Thomas 2262 - Scherer, Max 2216

1-0

8 FM Wiechert, Hans 2178 - Terraz, Christian 2028

1-0

Neunter Spieltag: Tabelle

Rang

Mannschaft

Spiele Punkte BP BW ELO-Schnitt
1 SV Walldorf 9 15:3 44 186½

2277

2 SC Viernheim II (N) 9 15:3 41 184½

2299

3 SC Brombach 9 10:8 40½ 185½

2270

4 SF Sasbach (N) 9 10:8 37 148½

2220

5 BG Buchen 9 9:9 35½ 178

2271

6 SC Dreiländereck 9 8:10 37½ 183

2273

7 OSG Baden-Baden III 9 8:10 34 154½

2250

8 SC Untergrombach (A) 9 7:11 33 130

2260

9 SV Hockenheim II 9 7:11 29½ 127

2291

10 SGEM Dreisamtal 9 1:17 28 142½

2195

IIn der Saison 18/19 steigen der Tabellenneunte (Hockenheim II) und der Tabellenzehnte (Dreisamtal) ab in die Verbandsligen. Meister Walldorf steig auf in die zweite Bundesliga.

Spielbericht


Auf dem Weg zum Klassenerhalt: FM Bernd Schneider holte den entscheidenden Punkt. Mannschaftsführer IM Heinz Fuchs fiebert mit.

Zwei Absteiger würde es nach diesem Spieltag geben und der SC Untergrombach wollte alles dafür tun, um einen zweiten Abstieg in Folge zu verhindern. Dafür war ein Heimsieg gegen die bereits abgestiegene Freiburger Mannschaft SGEM Dreisamtal nötig. Untergrombach musste auf sein nominelles Brett 2 IM Borya Ider verzichten (Krankheit), dafür war FM Bernd Schneider wieder an Bord. Dreisamtal schockte die Gastgeber mit ihrer besten Aufstellung - obwohl es für diese Mannschaft um nichts mehr ging. Auf dem Papier war die Begegnung ausgeglichen, Untergrombach ging siegeshungrig in die Begegnung, gleichzeitig spielte Hockenheim II gegen Sasbach im Fernduell um den Abstieg.


Oliver Prestel (Weiß) sammelte den ersten halben Punkt ein

Bereits nach anderthalb Stunden kam es zu zwei kurz aufeinander folgenden Remis. Zunächst bekam Oliver Prestel ein Remisangebot von FM Eppinger, über das er eine Weile nachdachte und es dann annahm. Kurz darauf gab der zweite Weißspieler, Kapitän IM Heinz Fuchs seine Partie ebenfalls Remis. Grund war der hohe Zeitverbrauch und die gute Stellung am Brett von FM Hans Wiechert.


IM Heinz Fuchs vermerkt das 1:1 - es war sein Remis am zweiten Brett gegen IM Milosevic.

Bei FM Hans Wiechert am achten Brett hatte dessen Gegner Christian Terraz kurz rochiert und versuchte dann mit g5?! den weißen Springer zu fangen, was aber taktisch überhaupt nicht funktionierte. Wiechert bedankte sich und verpasste Schwarz einen fiesen isolierten Doppelbauern und ein aufgerissene Königsstellung. Als Schwarz auch noch die Qualität geben musste, hatte er ein Einsehen und gab sich geschlagen. 2:1 für den SC Untergrombach durch Neuzugang Hans Wiechert, der sich mit 4,5 aus 7 beim SCU bestens eingeführt und bewährt hat. Seine Punkte waren ganz wichtig für den Klassenerhalt.


FM Hans Wiechert mit Weiß hatte heute einen entspannten Arbeitstag - sein Gegner griff früh fehl und Wiechert heimste den Punkt ein.

Nach knapp drei Stunden vermeldete der Ergebnisdienst eine 2,5:0,5 - Führung für Hockenheim. Die Hoffnung auf Sasbacher Schützenhilfe schwand zusehends, es war klar, dass der SCU es hier zu Hause würde richten müssen. Allerdings wurde die Lage zunehmend dramatischer, denn FM Kountz war ein Bauer abhanden gekommen und er kämpfte bereits ums Remis. Zwar gab es Hoffnung am Brett von FM Raupp, aber dessen Gegner spielte derart krawallig, dass die entstandene Stellung jederzeit mit einem winzigen Fehler kippen konnte. Die anderen Stellungen waren ausgeglichen. Auch am Spitzenbrett, wo GM Davor Rogic in einem Endspiel mit Schwerfiguren und Läuferpaar nach einem riskanten Zug Gefahr lief, in Schieflage zu geraten und das gegnerische Remisangebot akzeptierte. Rogic blieb damit in der laufenden Saison ohne Sieg, sammelte fünf Remis ein und wird in der kommenden Oberligasaison sicher auch wieder Siege für den SCU einfahren.


GM Davor Rogic konnte mit Schwarz ein Remis erzielen, sein Gegner IM Filipovic spielte zu solide und machte keine Fehler.

Nach rund dreieinhalb Stunden Spielzeit sah man ein erstaunliches Bild am dritten Brett: FM Dr. Sieglen war tatsächlich in Zeitnot geraten. Sein Gegner hatte den Druck permanent so hoch gehalten, dass die Suche für den richtigen Zug auf Dauer zu viel Zeit in Anspruch genommen hatte. Weiß konnte einen Freibauern auf d6 einpflanzen und der schwarze König war auf d8 gefangen. Weiß drang mit Dame und Springer in die schwarze Stellung ein und dieser Angriff war tödlich. Dr. Sieglen musste aufgaben, plötzlich war der Ausgleich da und Kountz immer noch mit Minusbauern am Kämpfen. Nun begann das große Zittern.


IM Kaenel war heute zu stark für FM Dr. Sieglen (Schwarz).

Derweil musste FM Thomas Raupp über die Zeitkontrolle kommen. Er hatte sich einen Mehrbauern erspielt, aber sein Gegner fischte weiter im Trüben und die Stellung war explosiv. FM Bernd Schneider war im Turmendspiel angekommen und hatte auf einmal Material mehr und dazu eine aktive Turmstellung. Plötzlich roch es am vierten Brett nach Sieg! Dazu kam die Meldung aus Hockenheim, dass Sasbach am dritten Brett gewonnen hatte. Somit war klar, dass dem SCU ein 4,5:3,5 reichen würde. Zwei Punkte mussten her! Aber dazu durfte FM Kountz nicht verlieren, falls die Stellung am vierten Brett doch nicht gewonnen sein sollte. Dann die Vorentscheidung: FM Thomas Raupp kam nicht nur über die Zeitkontrolle, er hatte zu seinem Mehrbauern auch noch eine Qualität abgeholt. Nicht nur positionell hat er es drauf, er zeigte, dass er auch taktisch alles unter Kontrolle halten kann. Der Sieg von Raupp war nun nur noch Formsache. Nach viereinhalb Stunden war es dann vollbracht: Raupp holte das 3,5:2,5 und beendete seine Saison mit sagenhaften 75% (6 aus 8) - ein Traumwert und eine ganz starke Leistung. Nur eine einzige Niederlage ließ er zu, dazu fünf Siege und zwei Remis. Das kann sich sehen lassen!


FM Thomas Raupp (Schwarz) zeigte gegen Max Scherer eine ganz starke Leistung.

Nun hatte es FM Bernd Schneider in der Hand. Im Turmendspiel mit zwei Mehrbauern hatte sein Gegner FM Schwing einen gefährlichen Freibauern auf der g-Linie geschaffen (siehe erstes Foto im Bericht). Aber Schneiders Bauer lief auch zur Grundreihe, Schwing verwandelte als Zweiter, zog aber mit Schach ein. Auf dem offenen Brett musste nun Bernd Schneider ein sicheres Plätzchen für seinen König finden. Gelänge ihm dies, wäre der Sieg sicher. Die Zuschauer standen im Pulk ums Brett und es war so still, man hätte ein Stecknadel fallen hören können. Der Untergrombacher, der mit vier Niederlagen in die Saison gestartet war, stellte den König auf die zweite Reihe, auf der auch der schwarze Monarch stand und das einzige Schach auf dieser Reihe hätte Schneider mit einem Damenzug pariert. Somit war klar, es gab nur noch ein Schach, was zum Damentausch geführt hätte. Um 16:37 Uhr reichte Hans-Elmar Schwing die Hand und FM Bernd Schneider hatte den "biggest point of all" eingefahren, er hatte den SC Untergrombach vor dem Abstieg bewahrt. Beifall brandete auf und einige Untergrombacher Fans bekamen feuchte Augen. Schneider selbst merkte nach der Analyse nur lakonisch an, dass die Partie eigentlich bis kurz vor Ende nie wirklich gewonnen war. Wen kümmert es? Er war der Held des Tages!


Hier wusste FM Bernd Schneider (Weiß) noch nicht, was auf ihn zukam: Sein Spiel sollte über die Saison entscheiden.

Nachdem die Steine von den Herzen gefallen waren, merkten die Spieler und Zuschauer, wie müde, hungrig und durstig sie alle waren. Aber die Feierlichkeiten mussten noch auf sich warten lassen, denn es spielten noch immer Parwis Nabavi gegen FM Jochen Kountz. Dieser hatte zwischenzeitlich tief in die Trickkiste gegriffen und Nabavi den vermeintlich sigebringenden Freibauern entwendet, gab das Geschenk aber in Form seines h-Bauern kurz darauf wieder zurück. Nun waren es drei gegen zwei Bauern und jeder Spieler hatte noch eine Dame. Etwas später waren es noch zwei gegen einen Bauern. Obwohl es um nichts mehr ging, zeigte Nabavi tollen Kampfgeist und stellte mit kreativem Spiel immer wieder Kountz vor Probleme. Tatsächlich sammelte Weiß winzige Stellungsvorteile an und kam mit dem König gefährlich in die schwarze Stellung hinein. Mit weit über hundert gespielten Zügen musste Kountz einmal sogar mit der letzten Sekunde auf der Uhr ziehen und drücken. Irgendwie hielt er den Laden zusammen. Doch just als Nabavi endlich den entscheidenden Fortschritt machte, übersah er ein Matt und brachte sich um den Lohn seiner langen Partie. Völlig überrschand holte Jochen Kountz den vollen Punkt und vollendete zum 5,5:2,5 Endstand.


FM Jochen Kountz (Schwarz) hatte zu diesem Zeitpunkt eine lange Leidenszeit vor sich, krönte aber die Partie mit dem überraschenden Sieg.

Es war die letzte Partie des Spieltags. Der Schach-Club Untergrombach hat nach seinem Abstieg aus der zweiten Liga den drohenden Doppelabstieg vermieden und konnte die Oberliga halten. Meister wurde der SV Walldorf, der ein 1:4 noch zu einem 4:4 im Endspiel gegen Viernheim 2 drehen konnte. Glückwunsch an dieser Stelle nach Walldorf und Chapeau für eine tolle Saison.

Der SCU profitierte von der Tatsache, dass diese Saison kein badischer Vertreter aus er zweiten Liga abgestiegen ist. Man muss jedoch zur Kenntnis nehmen, dass die Liga enorm stark ist und in der kommenden Saison noch stärker wird. Aus der Verbandsliga Süd kommen Emmendingen 2 und Ötigheim, die schon in der vierten Liga mit 2600er- und 2700er-Großmeistern angetreten sind. Dazu vermutlich der SK Ettlingen, der aber noch gegen Ladenburg gewinnen muss und ebenfalls eine starke Mannschaft hat. Da in der kommenden Saison vermutlich auch der achte Rang nicht mehr zum Klassenerhalt reicht, muss der SCU personell nachrüsten, um auch weiterhin eine Chance zu haben. In diesem Sinne begannen bereits heute die Planungen.

Partien

-
07.04.2019